Kunstpreis der Stadt Kempten (Allgäu) | 5.000 €

Julia Miorin


Der Kunstpreis der Stadt Kempten (Allgäu) wurde im Jahr 2022 an die Künstlerin Julia Miorin für ihr Werk „Papierhandtücher“ verliehen.

Der Kunstpreis der Stadt Kempten wird seit 1950 verliehen und ist mit 5.000 € dotiert. Er ist mit einer Ausstellung in der Kunsthalle Kempten innerhalb von sechs Jahren verbunden. Für diese Ausstellung steht ein Realisierungsbudget von bis zu 1.500 € zur Verfügung.

Die Künstlerin Julia Miorin und ihr ausgezeichnetes Werk „Papierhandtücher“ © Foto Sienz


Begründung der Jury

Julia Miorin
„Papierhandtücher (Sammlung)“
Stahl, Lack, mitteldichte Faserplatte, Acrylglas, Papierhandtücher
76 x 250 x 150 | 2016 – 2022

Das Werk „Papierhandtücher“ besteht aus ganz einfachem Material, mit dem wir fast alltäglich zu tun haben, das wir einfach wegwerfen, dem wir gar keine Beachtung schenken. Es ruft eine Bewusstwerdung der Wertigkeit der alltäglichen Gegenstände hervor und erzählt Geschichten.

In dieser Anordnung hier bekommen die Objekte eine ganz eigene Ästhetik, was Oberflächenstrukturen, Muster und Farben angeht. Das Werk ist perfekt und überzeugend präsentiert sowie präzise gearbeitet. Diese Art der Präsentation kennt man aus dem musealen Bereich, z.B. von Vitrinen in naturkundlichen Sammlungen. Normalerweise wird in solchen Vitrinen etwas Wertiges präsentiert und gerade diese Umkehrung ist sehr reizvoll. Julia Miorin reißt die Gegenstände aus ihrem Kontext heraus und gießt sie in eine neue Form, die ästhetisch ansprechend und der eigentlichen Funktion beraubt ist.

Viele von den Vitrinen fertigt die Künstlerin auch selber und zeigt so ihr handwerkliches Geschick. Miorin präsentiert die Papierhandtücher aber auch unterschiedlich, auf Untergründen mit verschiedenen Farbabstufungen und ordnet die Vitrinen in einer stimmigen Komposition an.

Über die Materialität hinaus ist das Werk aber auch emotional ansprechend, weil Assoziationen mit Personen und Orten entstehen und Erinnerungen hervorgerufen werden. Es löst neue Gedanken in den Jurymitgliedern aus und das zeugt von großer künstlerischer Qualität.


Julia Miorin über ihre Arbeit

„Meine Arbeitsweise ist ein Prozess des bedachten Auswählens, Um-deutens und Kombinierens – eine Verrückung von Gewohntem bis sich eine neue Form einpendelt oder sich eine Anordnung fügt. Mich interessiert, wie Dinge aufeinandertreffen: Konstellationen, Leerstellen, Farben und Oberflächen. Bekannte Gegenstände und funktionale Rohmaterialien löse ich durch gezielte Neuverortung, Reduktion oder Wiederholung aus ihrer alltäglichen Erzählung. Mein Vorgehen reicht dabei von der schlichten Gegenüberstellung gefundener Objekte hin zu einer formgebenden Vertiefung ins Material. Getränkekisten bekommen eine bespielbare Bühne, aus Isomatten bildet sich ein strenger Faltenwurf, der dreckige Lappen wird zum Bergmassiv und Pinzetten sprechen von Gefühlen. Eine übergeordnete Rolle spielt die räumliche Ausdehnung von Stofflichkeit, die Beziehung von Umraum, Ding und Betrachter*in und das Herstellen von subjektiven Ordnungssystemen."

Julia MiorinJulia Miorin ist in Memmingen geboren, lebt und arbeitet in Leipzig. © Foto Sienz


Videoportrait Julia Miorin

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