Thomas-Dachser-Gedenkpreis | 4.000 €
Nina Schmidbauer
Für ihr Werk „Über den Wolken“ (Wolle, Holz) erhält die Künstlerin Nina Schmidbauer den Thomas-Dachser-Gedenkpreis.
Nina Schmidbauer mit ihrem Werk „Über den Wolken“ (c) Foto Sienz
Der Thomas-Dachser-Gedenkpreis wird seit 1969 im Rahmen der Kemptener Kunstausstellung vergeben. Die Auszeichnung ist aktuell mit 4.000 € dotiert. Ursprünglich als Bürgerpreis gegründet, wird er heute vom Unternehmen Dachser gestiftet.
Begründung der Jury
Nina Schmidbauer: "Über den Wolken", 2026
(c) Fotostudio Sienz
Das Werk stellt eine Auseinandersetzung mit der Malerei unter Verwendung textiler Mittel dar. Anstatt einer klassischen Textilarbeit zu folgen, nutzt die Künstlerin die Anordnung von Fäden im Raum, um Fragen nach Farbraum und der Wahrnehmung von Dimensionalität zu verhandeln. Durch diese technische Umsetzung entsteht ein Werk von hoher Dynamik, das zwar ein „Bild“ erzeugt, aber durch seine Materialität eine sinnliche Botschaft vermittelt, die über die Möglichkeiten der Fotografie oder reinen Malerei hinausgeht.
Nina Schmidbauer über ihre Arbeit
"PURE versteht Wahrnehmung
als ein Gefüge einzelner Qualitäten
und untersucht jene Ebene der Wahrnehmung,
die dem Erkennen vorausgeht."
Nina Schmidbauer mit ihrem Werk „Über den Wolken“ (c) Foto Sienz"Meine künstlerische Praxis ist konzeptuell angelegt. Ausgangspunkt jeder Arbeit ist eine Fragestellung, aus der sich die Wahl des Materials entwickelt. Ich verstehe Materialität nicht als bloßes Trägermedium, sondern als wesentlichen Bestandteil der künstlerischen Aussage. Für jedes Projekt entsteht eine eigene materielle Sprache, deren Eigenschaften die Bedeutung des Werkes mitformen.
Die Arbeit „Über den Wolken“ ist Teil der Werkreihe PURE. PURE versteht Wahrnehmung als ein Gefüge einzelner Qualitäten und untersucht jene Ebene der Wahrnehmung, die dem Erkennen vorausgeht. Indem diese Qualitäten voneinander gelöst werden, können sie in ihrer ursprünglichen Eigenständigkeit erfahrbar werden. Die Werkreihe untersucht nicht die Natur als Motiv, sondern die Bedingungen ihres Erscheinens in unserer Wahrnehmung. Welche Rolle spielen Farbe, Licht, Form oder Raum für das, was wir Wirklichkeit nennen? Die bewusste Isolation dieser Aspekte eröffnet einen Zugang zu den elementaren Bausteinen unserer Wahrnehmung.
Das Werk „Über den Wolken“ widmet sich dem Teilaspekt der Farbe. Die Natur erscheint hier nicht als Abbild, sondern als Farbstimmung – losgelöst von Form und Gegenständlichkeit. Die Wahl natürlicher Wollfasern ist dabei Teil des Konzepts. Unterschiedliche Wollstärken und Oberflächen erzeugen in ihrer dichten Setzung feine Schatten, räumliche Tiefe und eine haptische Präsenz. So bleibt die Farbe das eigentliche Untersuchungsfeld, wird jedoch von einer sinnlichen Materialerfahrung begleitet. Wie die Wahrnehmung der Natur nie ausschließlich visuell geschieht, erweitert auch die Materialität der Wolle die Arbeiten um eine körperliche Dimension.
Die Werke suchen nicht nach einem Bild der Natur, sondern nach den Voraussetzungen ihres Erscheinens. Sie laden dazu ein, den Akt des Sehens selbst zu reflektieren – als einen offenen Prozess, in dem sich Wirklichkeit nicht als feststehende Größe zeigt, sondern sich im Wahrnehmen immer wieder neu bildet."
